BZ Artikel – Der Kreiselarchitekt

Langenthal – Seit 17 Jahren schmückt Ueli Heiniger mit seiner Bärenbande pünktlich zur Fasnachtszeit den Onyxkreisel mit aufwendigen Konstruktionen.
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Panzerknacker auf der Flucht: Auch 2017 hält sich Ueli Heiniger ans aktuelle Fasnachtsmotto. Bild: Thomas Peter

Bevor sie mit der Verschönerung des Kreisels anfingen, hätten sie in der Nacht vor der Fasnacht jeweils viel Unfug getrieben, sagt Ueli Heiniger lachend. So war die Bärenbande denn auch bekannt dafür, in der Stadt für Unordnung zu sorgen.

Etwa, als die Clique eines Jahres die Tannen in der Stadt mit Überresten aus dem Abfalleimer behängten. Oder als sie Stroh verteilten in der Marktgasse. «Irgendwann waren uns diese Aktionen verleidet, und wir suchten nach einer neuen Aufgabe», erzählt der Langenthaler.

So kamen sie im Jahr 2000 auf die Idee, den Onyx- und den Tellkreisel zu dekorieren. Das damalige Fasnachtsmotto lautete «Invasion», und so schmückte die Bärenbande den Kreisel eingangs der Stadt mit einem UFO. Dieses wurde aus riesigen Sonnenschirmen zusammengebaut.

Während die Schmückung des Onyxkreisels bis heute bestehen blieb, wurde die Verkehrsinsel vor dem Tell nach einem Jahr wieder aufgegeben. «Mit dem ganzen Gebüsch und dem Verkehr eignete sie sich nicht gut», erklärt Heiniger. Und mittlerweile habe ja die Heilpädagogische Schule den Kreisel dauerhaft dekoriert.

Ein Faible fürs Handwerk
«Mit der Zeit hat sich heraus­kristallisiert, dass ich diese De­koration jeweils organisiere und zusammenbaue», sagt der pensionierte Automechaniker. So ist es bis heute geblieben. Heinigers Bandenkameraden nennen ihn liebevoll den «Kreiselarchitekten».

«Ich würde es nicht machen, wenn es mir nicht gefallen würde», sagt Ueli Heiniger. Jedes Jahr zaubert er wieder eine neue Idee aus dem Hut und bespricht diese mit seinen Kollegen. Bedingung ist jeweils, dass der Schmuck dem Motto der Fasnacht entsprechen muss.

Als Heiniger noch berufstätig war, arbeitete er vor allem an den Abenden und am Wochenende an seinen Konstruktionen. Heute hat er mehr Zeit dafür – und er hat sich in eine Halle der Läderach Lagersysteme «eingemietet». Im Winter sei es dort zwar kalt, sagt Ueli Heiniger. «Aber dafür habe ich viel mehr Platz als zuvor in meiner Garage.»

Holz und Vlies werden ihm jeweils von der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) zur Verfügung gestellt. Für Farbe, Nägel und weitere Materialien kommt die Bärenbande selber auf.

«All diese Konstruktionen wären ohne die Unterstützung und die Spenden verschiedener Firmen und Handwerksbetriebe nicht möglich», sagt Heiniger. Einen besonderen Dank richtet der Fasnächtler an seine Frau Heidi, für ihr Verständnis für das jeweilige «Puff» zu Hause während der Bauzeit und ihre Geduld.

Ausgeklügelte Technik
Stolz zeigt Heiniger Fotos aus den vergangenen Jahren. An jedes einzelne Projekt kann er sich noch genau erinnern. Während die erste Dekoration mit den grossen Sonnenschirmen noch verhältnismässig einfach ausgefallen war, wurde der Kreiselschmuck mit den Jahren immer ambitionierter, die Technik ausgeklügelter.

So etwa 2012, als das Motto «Mir flüüge» lautete: Heiniger baute mit einer Holzkons­truktion eine über 7 Meter grosse Rakete. Der Clou: Im Cockpit «schwebte» ein Bär in der Schwerelosigkeit. Dafür baute Heiniger extra einen kleinen Motor ein.

Heuer griff der Pensionär zu reichlich Farbe. Seit Donnerstag ziert nun ein viereckiges Gefängnis den Onyxkreisel. Und auf jeder Seite von diesem bricht ein Panzerknacker – passend zum diesjährigen Motto «uf und dervo» – aus der Haft aus.

Die Stellwände sind rund 2,70 Meter hoch. «Auf dem Kreisel muss alles überdimensional gross sein, sonst sieht es keiner», erklärt Heiniger.

Manche drehen Extrarunden
Stets am Donnerstagabend vor der Fasnacht platziert Ueli Hei­niger mit seiner Bärenbande die aufwendigen Dekorationen auf dem Onyxkreisel. Ob es noch nie Probleme mit dem Verkehr oder den Behörden gegeben habe?

«Nein, da ist noch nie etwas passiert», sagt Heiniger. Der Verkehr werde jeweils geregelt, und die meisten Autofahrer hätten grosse Freude an den Aufbauarbeiten. «Manche drehen Extrarunden und hupen.»

Er räumt ein, dass die Bärenbande im ersten Jahr lediglich ein telefonisches Einverständnis bei der Stadt abgeholt habe. «Aber wenn man überhaupt nichts mehr machen dürfte, gäbe es irgendwann keine Fasnacht mehr», ist der Pensionär überzeugt.

Seit 22 Jahren ist er nun Mitglied bei der Bärenbande, ans Aufhören hat er erst einmal gedacht, nämlich vor zwei Jahren, als die Bande ihr 30-jähriges Bestehen feierte. Heiniger war seit 20 Jahren mit dabei und baute zum 15. Mal eine Kreiseldekoration.

«Aber trotz des Dreifachjubiläums habe ich mich dann entschieden, weiterzumachen, weil es mir so viel Freude bereitet», schwärmt er. Die Langenthalerinnen und Langenthaler dürfen sich also auf weitere liebevolle und ausgefallene Kreiseldekorationen freuen.
(Berner Zeitung)


Die Bärenbande
Die Bärenbande ist eine spezielle Clique im Langenthaler Fasnachtsgefilde. Sie darf auf eine lange Tradition zurückblicken, denn der Bär gehört seit dem Mittelalter zu Aufführungen und Umzügen im Bernbiet dazu.

Seit 1985 ist die Bande am Langenthaler Umzug anzutreffen. Dabei wird ein Bär vom Bärenführer durch die Menge geleitet. Falls es dem Tier unwohl würde, wäre der Eselidoktor sofort zur Stelle.

Die Bäsebethi sorgen dafür, dass die Zuschauer dem Bären nicht zu nahe kommen. Sie verscheuchen aufdringliche Fasnächtler mit ihren Besen. Mit dabei sind auch die Gümper, die jüngsten und kleinsten Mitglieder der Bande.

«Wir sind eine spezielle Truppe, weder Wagenbauer noch Guggenmusik», bringt es Mitglied Ueli Heiniger auf den Punkt. Nichtsdestotrotz nimmt die Bande wichtige Aufgaben an der Langenthaler Fasnacht wahr.

Nebst der Kreiseldekoration organisiert die Clique jeweils das Kinderzmorge am Fasnachtsmontag.Auch die alljährliche Verleihung des «Bäba-Bär» (Wanderpreis für eine besonders positive oder negative «Tätigkeit» während des Jahres) gehört zu den Obliegenheiten der Bärenbande. Heuer wurde die zweifelhafte Ehre Hans-Jürg Schmied zuteil: «für den langweiligsten Stapi-Kandidaten» bei den Wahlen 2016. bey/pd


Quelle: BZ Berner Zeitung Region Oberaargau: 03.03.2017, 08:02 Uhr

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